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Buchtipp des Monats

Unsere Leseempfehlung für den Monat September
Buchtipp des Monats
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Silke Schütze: Wir nannten es Freiheit : Roman

Der neue historische Roman von Silke Schütze: Eine junge Frau kämpft gegen den Lehrerinnen-Zölibat und für ihre Liebe.

Berlin, 1916: Die herzliche, resolute Lene hat soeben ihr Lehrerinnen-Seminar bestanden. Als sie sich in den verschlossenen Paul verliebt, scheint ihr Glück vollkommen. Dass Paul wegen einer Kriegsverletzung nicht arbeiten kann, ist für Lene kein Hindernis: Sie liebt ihre Arbeit als "Fräulein" und kann genug Geld nach Hause bringen. Doch einer Hochzeit steht der sogenannte Lehrerinnen-Zölibat im Wege, ein Erlass, der verheiratete Frauen vom Schuldienst ausschließt. Entweder ihr Paul oder die Freiheit, den geliebten Beruf auszuüben? Eine unmögliche Wahl. Zu stark, um aufzugeben, kämpft Lene für die Freiheit, Liebe und Beruf zu vereinen.

Große Unterhaltung und ein anrührendes Stück Zeitgeschichte.

Erfolgsautorin Silke Schütze wurde mit dem renommierten Walter-Serner-Preis ausgezeichnet. "Wir nannten es Freiheit" ist ihr erster historischer Roman um ein anrührendes und bislang wenig bekanntes Stück Frauen-Geschichte.

(Besprechung Verlagsinformation, entnommen der Homepage Borromedien, Bonn

"Sag den Wölfen, ich bin zuhause"

Ein junges Mädchen muss den Tod ihres geliebten Patenonkels überwinden.

Carol Rifka Brunt beschreibt in ihrem, in den 80er Jahren spielenden Roman, wie eine Familie mit der neuen Krankheit AIDS konfrontiert wird. Die 14-jährige June Elbus, ihre Eltern und ihre ältere Schwester Greta wohnen in der Nähe von New York. Die neue ansteckende Krankheit, über die man so gut wie nichts weiß, verängstigt die Menschen zutiefst. Junes Onkel Finn ist homosexuell und wird von der Krankheit angesteckt. Der berühmte Maler stirbt schließlich an AIDS. Die  Familie trauert und ist zugleich peinlich berührt  durch dieses Outing. AIDS wird zum Thema, die Familie schweigt. Niemand will Junes Trauer um ihren Onkel teilen. Verzweifelt nimmt sie Kontakt zu Finns Lebensgefährten Toby auf, der von ihrer Mutter als "Mörder" abgestemptelt wird. Die Familie wünscht keinen Kontakt mit ihm. Doch Toby und June kommen sich in vielen Gesprächen und gemeinsamen Unternehmungen näher und helfen sich gegenseitig bei der Trauerbewältigung.

Bewertung von Susanne Steufmehl, Rezensentin bv:

Die Autorin hat sich eine höchst emotionale "Coming-of-Age" Geschichte ausgedacht, die vor allem durch die Charakterisierung der klugen und doch in vielen Belangen so naiv wirkenden June mit dem komplizierten Verhältnis zu ihrer unnahbaren, oft unverständlich abweisenden Schwester überzeugt. Obwohl ein Familiengeheimnis gelüftet wird, lebt der Roman weniger von dramatischen Handlungssträngen als vielmehr von den aussagekräftigen Bildern, die Brunt mit ihren Worten zeichnet. Die Stimmung und das Lebensgefühl der 80er Jahre hat sie perfekt eingefangen, für die adäquate Übersetzung gebührt auch Frauke Brodd höchstes Lob.

 

Buchtipp Juli 2020 von Delia Owens: "Der Gesang der Flußkrebse"

Die Geschichte spielt in North Carolina an der amerikanischen Atlantikküste. Dort wohnt die 6-jährige Kya mit ihrer Familie in nahezu unbewohnbarem Marschland. Ihr alkoholkranker Vater misshandelt die Mutter, bis diese den Vater und die fünf Kinder heimlich verlässt.  Doch auch der Vater und die vier Geschwister verlassen das Zuhause und Kya. Alleingelassen streift das Kind durch die Natur und sammelt, was sie dort vorfindet. Der erste Schultag wird zum Horror, sie wird gehänselt und von den Mitschülern gemieden. Sie nimmt nicht weiter am Unterricht teil und es gelingt ihr, sich erfolgreich vor den Behörden zu verstecken. Erst als Vierzehnjährige lernt sie Lesen, Schreiben und Rechnen von ihrem Freund Tate. Doch auch er verlässt sie für ein Studium. Einsam wie sie ist, beginnt sie ein Verhältnis mit einem jungen Mann. Glücklich wird sie nicht, der Geliebte wird eines Tages tot aufgefunden. Nun verdächtigt man Kya des Mordes. 

Die Geschichte wird aus der Sicht und mit der Sprache erst des Kindes und dann der Erwachsenen erzählt. Das Befinden der Protagonistin, die in der Natur lebt und ihr Verhalten danach ausrichtet, füllt den Roman. Man erfährt als Leser*in von bemerkenswerten Phänomenen der Tier- und Pflanzenwelt. Der Kriminalfall ist ein weiteres inhaltliches Element. 

Wir meinen: das wird unser Sommerhit, unsere Lieblingsempfehlung für die schönsten Wochen des Jahres!

Isabell Allende: "Dieser weite Weg"

Das Schicksal eines unfreiwilligen Paares zwischen Spanien und Chile.

Textausschnitt aus der Rezension des Borromäusvereins, Bonn

Die Bestsellerautorin Isabel Allende kehrt mit diesem Buch zurück zu ihren Wurzeln, dem historisch inspirierten Roman.

Sie erzählt die Lebensgeschichte des Arztes Victor und der Pianistin Roser, eine Geschichte von Flucht und Vertreibung, Politik und Liebe im 20. Jh. Der Katalane Victor kämpft im Spanischen Bürgerkrieg für die Republik und gegen Franco, deshalb muss er nach Frankreich fliehen und kommt mit dem Flüchtlingsschiff "Winnipeg" schließlich nach Chile. In seiner Begleitung ist Roser, hochschwanger von seinem Bruder Guillem, der im Krieg gefallen ist. Unter Mühen gelingt es dem Paar, sich in Santiago zu etablieren. Dabei ist ihre pragmatische Beziehung mehr geschwisterlich als von Leidenschaft geprägt. Der Putsch gegen Salvador Allende zwingt die beiden schließlich ein zweites Mal im Leben ins Exil.

Rezension Autor (bv.):Marion Sedelmayer

Unser Buchtipp im Mai 2020

"Der Zopf meiner Großmutter" ein Roman von Alina Bronsky :

Eine russische Familie, nach Deutschland eingewandert, gerät aus den Fugen, als sich der Großvater verliebt. Der Enkel kann vermitteln.

In den 90er Jahren kommen die Großeltern Margo und Tschingis und ihr Enkel Maxim als jüdische Kontingentflüchtlinge aus Russland nach Deutschland. In der Flüchtlingsunterkunft lernen sie die Nachbarin, eine junge Russin, kennen. Die Liebesbeziehung, die der Großvater alsbald mit der Frau beginnt, bleibt der Großmutter lange Zeit verborgen. Selbst als die Frau ein Baby bekommt, ahnt die Großmutter nicht, wer der wahre Vater ist. Bis sie das Kind sieht und ihr sofort die Ähnlichkeit mit ihrem Mann auffällt.

Die Großmutter, Margo, war in Russland einst eine gefeierte Tänzerin, die ihre Karriere aus Liebe zu Tschingis aufgegeben hat. Warum der Enkel elternlos bei seinen Großeltern aufwächst, erfährt man erst im Laufe der Geschichte. Margo ist eine "Helikopter-Oma". Sie behütet ihren Enkel über alle Maßen, sie will nur das Beste für ihn, aber der arme Kleine hat es nicht leicht. Großmutter Margo ist gegen das deutsche Schulsystem, fürchtet sich permanent vor Keimen, findet das deutsche Essen schlecht und die Deutschen sowieso. Warum ist sie also nach Deutschland ausgewandert?

Maxim erfährt, dass sein leiblicher Vater ebenfalls nach Deutschland ausgewandert ist und begibt sich auf die Suche.

Das alles erzählt uns Maxim aus seiner kindlichen Perspektive. Ganz gegen die Meinung seiner Oma ist er ein cleveres Kerlchen, dessen Erwachsenwerden wir im Laufe des kleinen Romans erleben. 

Eine tragikomische Geschichte, die berührt. Die Beschreibung russischer Großmütter ist eine Spezialität der Autorin, die sie in diesem Buch auf die Spitze treibt.

Lesenswert - und ein Tipp für einen Literaturgesprächskreis.

Der Roman kann kostenlos ausgeliehen werden - wir wünschen gute Unterhaltung.