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Schüler*innen der Senckenbergschule erleben spannende Lesung

Schüler*innen der Senckenbergschule erleben spannende Lesung
Schüler*innen der Senckenbergschule erleben spannende Lesung
© Bücherei Villmar

In der Hölle geht es rund

Jochen Till liest in Villmar

In der Hölle geht es rund

Von Jürgen Weil

Kinder- und Jugendbuchautor Jochen Till hat mit seinen witzigen Geschichten um Raubritter, Schweißdrachen, Piratenkapitäninnen, sympathische Ungeheuer und den ungehorsamen Teufelssohn „Luzi“ Schülerinnen und Schüler der Johann-Christian-Senckenberg-Schule, Villmar, begeistert.

Vor allem Tills Kinderbücher erinnern an Comic-Romane, dazu arbeitet er mit Illustratoren zusammen, „Zapf“, Falk Holzapfel, Steffen Gumbert und Raimund Frey. Ihre Bilder, zusätzlich auf eine Leinwand projiziert, veranschaulichen die Lesungen und Dialoge, die Till mit seinem Freund, dem Theaterschauspieler Linus Koenig führt. „Ich kann ganz gut schreiben“, sagt Till, „aber gut vorlesen kann Linus“. Und dieser verleiht jeder Figur eine unverwechselbare Stimme und Charakteristik, auch näselnd, ständig niesend, lispelnd, dazu aufgeregt oder energisch und auch mal im Frankfurter Dialekt.

So gingen die Zweitklässler mit „Raubritter Rocko“, seinem Knappen „Rotznase“ und dem flugunfähigen Schweißdrachen auf Fantasiereise, erlebten Abenteuer mit der Piratenkapitänin „Die Wilde Wilma“ und lachten über Freddie, den jüngsten Spross einer Ungeheuerfamilie, in der selbst der blinde und taube Opa Oger keine Angst verbreitet. Besonders bei den älteren Kindern aus den Klassen vier und fünf kam in einer zweiten Vorlesestunde „Luzifer junior“ gut an. „In der Hölle geht es rund“, im Mittelpunkt: der Sohn des Teufels, mit der „HellsApp“ im „Finsternet“ unterwegs, trotzdem viel zu lieb, trotz so mancher Folterstrafen. Also schicken ihn Papa und Onkel Gabriel in die Oberwelt, damit er bei den Menschen das richtig Bösesein lernt. Schließlich soll er in 300 Jahren einmal den "Knochenjob" des Höllenchefs übernehmen.

Jochen Till beantwortete auch in lebhaften Gesprächen mit den Schülern Fragen zur Person und Schreibleidenschaft. Alter? „Schätzt mal!“ Schüler: „35?“. Vergnügte Antwort: „52“. Verheiratet? Nein, aber liiert. Ursprünglicher Berufswunsch? Rockstar. Warum Autor, auch von Erwachsenenromanen? Einer Freundin zuliebe schreibt er 1999 erfolgreich die Geschichte einer chaotischen Liebesbeziehung: „Der Junge Sonnenschein“. Wieviel Bücher bisher? 46. Auflage insgesamt? Ca. 300 000. Verdienst? Etwa 5% vom Verkaufserlös, z. B. 45 Cent pro Buch , das 10 Euro kostet. Die Jugendlichen reagieren erstaunt. Größter Erfolg? „Fette Ferien“, aber bald wohl, mit dem vierten und fünften Band der Reihe, „Luzifer junior“. Wie kommt man an die Bücher: „Ihr könnt sie kaufen oder euch schenken lassen“, sagt Jochen Till. „Oder in der katholischen öffentlichen Bücherei Villmar ausleihen“, ergänzt Tanja Gierden vom ehrenamtlichen Büchereiteam.

Tanja Gierden hatte die Idee, in Kooperation mit der Grund- und Gesamtschule am Standort Villmar den bekannten Kinder- und Jugendbuchautor einzuladen. Büchereileiterin Gabi Schermuly beantragte die Unterstützung des in der Leseförderung durch Autorenbegegnung engagierten Friedrich-Boedecker-Kreises und Zuschüsse des Schulvereins und des Landkreises Limburg-Weilburg, die sich letztlich die Kosten teilten. Mitarbeiterin Tanja Eigenbrodt, auch Lehrerin der Schule, sowie ihr Fachbereichsleiter Deutsch, Hendrik Preißl, organisierten beide Lesungen. „Die gelungene Veranstaltung wird sicher viele Fortsetzungen finden“, sagte Gabi Schermuly. Stürmischer Applaus der Kinder begleitete die Akteure, Till und Koenig gaben das Kompliment an die aufmerksame Zuhörerschar zurück.